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Vallendar

 

Folgt man der B 42 von Ehrenbreitstein flussauf, kommt man durch den Ort Urbar. Hier liegt, malerisch auf einem Vorsprung, das ehemalige Kloster und spätere Gut Besselich. Nach der Übernahme und durchaus stilgerechten Restaurierung durch einen Investor von Neubauten gerahmt, hat es viel von seinem verwunschenen, romantischen Charme verloren.
Unmittelbar darauf folgt Vallendar. Die Bundesstraße verleitet zum raschen Durchqueren, das aber wäre ein Fehler, denn hier findet sich manche Besonderheit.
Um 650 v. Chr. gründete der keltische Stamm der Treverer einen festen Siedlungsplatz. Auch römische Spuren finden sich. Festen geschichtlichen Boden erreichen wir im Jahre 1051, wo der Ortsname in einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs III. an das Domstift zu Goslar zum ersten Mal erwähnt wird. Im Jahre 1143 erfolgte die Grundsteinlegung des Klosters Schönstatt durch die Augustiner, 1232 dann fiel der Ort an den Grafen Heinrich von Sayn, der eine Burg errichten ließ, sowie eine Befestigung mit vier Toren. Im 14. Jahrhundert wurde Vallendar zu drei Vierteln an den Kurfürsten von Trier verpfändet, der Rest kam 1767 durch Verkauf dazu. 1769 erwarb Josef Quirin d’Ester aus Malmedy die kurfürstliche Burg, ließ sie 1770 abreißen und an ihrer Stelle die Marienburg errichten.
Marktflecken ab 1790, kam es 1802 an den Kurfürsten von Nassau und 1815 an Preußen. Seit 1856 hat Vallendar Stadtrecht, seit 1932 ist es anerkannter Kneipp-Kurort.
Trotz der Zerstörungen im 2. Weltkrieg und einer nachgerade unverständlichen Baupolitik in den 60er und 70er Jahren hält Vallendar eine große Anzahl Sehenswürdigkeiten bereit. Die Pfarrkirche St. Marcellinus und Petrus wurde ab 1837 an Stelle des romanischen Vorgängerbaus nach Plänen von Johann Claudius von Lassaulx errichtet. Ungewöhnlich in seinen Ausmassen, ist der dreischiffige Bau die größte Hallenkirche am Mittelrhein.
Bei einer tiefgreifenden Renovierung in den 1960er Jahren wurde die Ausstattung auf ein sehr spartanisches Maß reduziert, aber im Hauptaltar finden sich drei um 1480 entstandene Tafeln aus der Kölner Malerschule, Reste eines spätgotischen Flügelaltars aus dem Kloster Himmerod in der Eifel. Weiter bemerkenswert der Rokkokoaltar mit dem Bildnis des Hlg. Konrad im Seitenschiff und die Taufkapelle mit dem Taufstein von 1840. Der Westturm stammt noch vom Vorgängerbau von 1501.
Entlang der Fußgängerzone Hellenstraße und in den Nebenstraßen finden sich viele reizvolle Fachwerkbauten des 17., sowie repräsentative Wohnhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts. Es lohnt sich, die Augen auf Wanderschaft gehen zu lassen, man wird mit überraschenden Details belohnt. In der Eulergasse beim Rathaus steht die ehemalige Synagoge, 1900 erbaut und 1933 zerstört, in der Wildburgstraße die markante Wildburg, entstanden Ende des 17. Jahrhunderts als Sitz des Freiherren Emmerich Ernst von Wiltberg.
Die schon erwähnte Marienburg am Burgplatz wurde durch den aus Malmedy eingewanderten Sohllederfabrikanten Josef Quirin d’Ester 1773 errichtet, dessen Familie einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt lieferte. So war in der Marienburg schon kurz nach deren Vollendung Goethe zu Gast. Der letzte Spross der Familie, Karl d’Ester (1881–1950) wurde als Begründer der Zeitungswissenschaft bekannt. (Das Familiengrab befindet sich auf dem über der Pfarrkirche gelegenen Friedhof). Heute beherbergt das Gebäude die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung. In einer um 1900 angebauten Kapelle harren Fresken des Bruder Notger im Stil der Beuroner Schule und ein mit herrlichen Emailarbeiten verzierter Altar des Kölner Goldschmiedes Gabriel Hermeling der Entdeckung.
Am östlichen Rand der Stadt, an der ehemals wichtigen Handelsstraße in den Westerwald und das Kannenbäckerland, liegt Kloster Schönstatt. Ursprünglich 1143 gegründet, kam um 1200 die Klosterkirche dazu. Ende des 16. Jahrhunderts jedoch wurde das Augustinerkloster aufgehoben, die Gebäude wurden weltlich genutzt, die Kirche verfiel immer mehr. 1932 stürzte einer der beiden erhaltenen Türme ein, um den anderen gruppieren sich heute moderne Gebäude der Gesellschaft des Katholischen Apostolats (Pallottiner) und die Jugendbildungsstätte Haus Wasserburg. Auf dem Hügel darüber liegt die weithin bekannte Philosophisch-Theologische Hochschule.
Dazwischen die kleine Kapelle »Unserer lieben Frau von Schönstatt«, Urheiligtum der 1914 von Pater Josef Kentenich gegründeten internationalen Schönstattbewegung. Von dieser Wallfahrtsstätte aus spannt sich ein weites Netz weiterer Bauten der Gemeinschaft, Mittel- und Höhepunkt ist sicherlich die Anbetungskirche, deren burgähnliche Architektur einen ruhigen, spirituellen Raum umschließt.
Auch kulturell und kulinarisch kann sich Vallendar sehen lassen. Ein schönes Programm bietet Musik, Literatur und Kunstausstellungen. Zahlreiche Hotels, Pensionen und Restaurants laden ein. Reizvoll und wohltuend entschleunigt ist eine Schifffahrt nach Koblenz, seit über 75 Jahren sorgt die Familie Gilles hier für reibungslosen Taktverkehr zwischen 9 und 18 Uhr.
Empfehlenswert ist ein Spaziergang bergan Richtung Stadtteil Mallendarer Berg zum Kaiser-Friedrich-Turm, einem schönen Aussichtsturm von 1898, der einen weiten Blick in das Rheintal erlaubt.

 

Ein besonderer Tipp: in wenigen Minuten erreicht man per Auto Höhr-Grenzhausen, wo sich seit Jahrhunderten alles um die Keramik dreht. Welche Vielfalt in der künstlerischen und kunsthandwerklichen Verarbeitung dieses Werkstoffes möglich ist, zeigt das Keramikmuseum Westerwald, Deutsche Sammlung für historische und zeitgenössische Keramik, Lindenstraße, 56203 Höhr-Grenzhausen, Telefon: 02624/946010
Fax: 02624/9460120
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Montag geschlossen.

 

(Textfassung aus »Der romantische Rhein« von Thomas Krämer, © Rhein-Mosel-Verlag)

 

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