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 rheinabwärts nach Wiesbaden

 

Mainz




Mainz, am Zusammenfluss von Rhein und Main hat 2000 Jahre Geschichte zu bieten. Angenehm für den Besucher: so groß die Stadt auch gewachsen ist, die meisten der vielen Sehenswürdigkeiten sind untereinander auf Fußwegweite entfernt. Man sollte Städte wenn möglich immer zu Fuß erkunden, nur so bekommt man das Gefühl für Atmosphäre und Dimensionen, und wenn eine Stadt wie das »Goldene Mainz« einem dabei entgegen kommt, um so besser. In der Literaturgeschichte hat Mainz seinen festen Platz. Am Anfang des gedruckten Wortes überhaupt stand ein Mainzer: Johannes Gutenberg. Aber auch die, die sich seiner Erfindung bedienten, sind zahlreich: Sophie La Roche lebte hier 1754 bis 1761, Goethe wurde Zeuge eines wichtigen Abschnitts der Stadtgeschichte, der Belagerung, Besetzung und Befreiung von Mainz im Jahre 1793. Carl Zuckmayer wurde ganz in der Nähe, in Nackenheim geboren, und Anna Seghers kam unter dem Namen Netty Reiling nahe des Bahnhofes zur Welt. Der in Düsseldorf geborene, und leider weitgehend vergessene rheinische Expressionist Carl Maria Weber dichtete Mainz eine Hymne, die die ideale Einstimmung für einen Besuch darstellt:






Carl Maria Weber (1890 – 1953)

Mainz


Du Goldgetürmte, Mittagüberstrahlte,

Mit Kuppeln sanft sich rundend reif und schwer!

Gläsern schwebt Stille überm Dächermeer –

Nicht wankt der Himmel: Windesfahne fahlte.


Moguntiacum! Klang, womit es prahlte,

Das Volk, das von des Südens Sonnen her

Brachte den Lorbeer, neben seinem Speer

ihn pflanzend – und gemessner, lockrer malte.


Der Siedlung Kranz an den geschweiften Strand. –

Dann bauten Kreuz und Krummstab ihre Vesten

Und Kaisers Name ging von hier ins Land.


So bist du, voll der Zeiten, hergesandt

In unwirklichen Raum. Doch deinen Gästen

Schmückst du dich noch mit sommerlichen Festen.






Seinen Namen verdankt Mainz der keltischen Urbevölkerung und ihrem Lichtgott Mogon. Im Jahre 38 vor Christus entstand hier der römische Stützpunkt »Mogontiacum« gegen die Germanen, daraus entwickelte sich in der Folgezeit die Hauptstadt des römischen Obergermaniens. Später wurden die umliegenden Kohortenlager und Zivilsiedlungen zusammengelegt und, nach der Aufgabe des Limes, 297 mit einer Wehrmauer umschlossen, die vor den Germanenüberfällen schützen sollte. Noch heute ist diese Befestigungsanlage im Stadtbild präsent. Weitere, römische Spuren sind der Eichelstein auf dem Gebiet der Zitadelle, die beeindruckenden Römersteine und, in der Innenstadt, die Kopien der Jupitersäule vor dem Landtag und des Dativius-Victor-Bogens auf der anderen Seite der Großen Bleiche. In der Völkerwanderungszeit fast völlig zerstört, gewinnt Mainz erneut Bedeutung in der Zeit der Karolinger. Durch Bischof Bonifatius (746–754) ist Mainz Ausgangspunkt der Christianisierung der germanischen und slawischen Völker. Mainz wird Erzbistum und schon kurz darauf die größte Kirchenprovinz Deutschlands. Der Mainzer Bischofssitz erhält als einziger neben Rom die Bezeichnung sancta sedes (Heiliger Stuhl). Kein Wunder, dass die Rede vom »Goldenen Mainz« entsteht. Erzbischof Willigis (975–1011) wird Erzkanzler des deutschen Reiches, und krönt Heinrich II zum König. Ab dem 13. Jahrhundert ist der Mainzer Erzbischof auch Kurfürst. Aber auch eine blühende jüdische Gemeinde mit Rabbinerschule besteht hier. Ab 1244 ist Mainz freie Stadt und Mitglied des Rheinischen Städtebundes. Mit der Stiftsfehde 1462 endet die Unabhängigkeit der Stadt, Mainz wird zur Residenz. Rege Bautätigkeit und die Gründung der Universität im Jahre 1476 durch den Erzbischof Diether von Isenburg tragen zum Aufschwung bei. Nach der starken Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg erhält Mainz unter dem bedeutenden Erzbischof Franz von Schönborn (1695–1729) und dessen Nachfolgern sein barockes Stadtbild. 1792 wird Mainz nach der Eroberung durch das französische Revolutionsheer für ein Jahr eine Jakobiner-Republik. In Folge der Napoleonischen Kriege endet die Epoche des Erzbistums, Mainz fällt 1816 an das Großherzogtum Hessen und wird Festungsstadt. Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1850–1877) spielt eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Sozialgesetzgebung. Nach dem Ersten Weltkrieg ist Mainz bis 1930 erneut von französischen Truppen besetzt, im Zweiten Weltkrieg wird es durch Luftangriffe stark zerstört. Mainz wird zunächst amerikanische, später französische Besatzungszone. Dadurch verliert Mainz die rechtsrheinischen Stadtteile. 1946 wird die Johannes Gutenberg-Universität wieder eröffnet, 1950 wird Mainz (zum Ärger von Koblenz) Landeshauptstadt des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Stadtgeschichte im Galopp, aber die einzelnen Phasen der Geschichte haben in Mainz Spuren hinterlassen, die zur ruhigeren Betrachtung und dem Nachspüren der Vergangenheit einladen.

Bedeutendstes Bauwerk der Stadt ist der gewaltige Dom St. Martin und St. Stephan. Es handelt sich um eine dreischiffige, gewölbte Pfeilerbasilika mit zwei Querschiffen, zwei Chören, zwei Vierungstürmen und mehreren Kapellen. Unter dem bedeutenden Erzbischof Willigis 975 begonnen, wurde er 1009 geweiht. Am selben Tag noch brannte er nieder und man baute ihn bis 1036 als flach gedeckte Basilika wieder auf. 1081 brannte er nochmals ab und wurde neu errichtet, erweitert und 1239 geweiht. 1767 geriet der Dom durch Blitzschlag abermals in Brand, sowie 1793 durch Beschuss. Danach dienten die Ruinen als Heumagazin und Pferdestall. Nach der Wiederherstellung 1804 blieb er, wie alle Dome, bis heute Baustelle. Der Ostchor ist St. Stephan geweiht, der Westchor St. Martin. Die bronzenen Türflügel des Marktportals stammen noch aus der Zeit des Willigis. In der Krypta unter dem Westchor befindet sich seit 1928 die Grablege der Bischöfe. Im gesamten Dom sind 45 Bischöfe und Erzbischöfe beigesetzt, ihre Grabmäler bilden eine einmalige Portraitgalerie über 1000 Jahre hinweg. Eine Szene des Romans »Das siebte Kreuz« von Anna Seghers spielt im nächtlichen Dom. Die Wandgemälde stammen vom Nazarener Philipp Veit, bemerkenswert sind ansonsten der Marienaltar von 1510 in der Ketteler-Kapelle und der sehenswerte Kreuzgang von 1499 mit angeschlossenem Diözesanmuseum, die Gotthard-Kapelle von 1137 mit staufischem Kreuz und vieles, vieles mehr.

Die Kirche St. Stephan liegt in der Kleinen Weißgasse auf dem Stephansberg, einen vielleicht zwanzig minütigen Spaziergang vom Dom entfernt. (Bestens ausgeschildert, wie überhaupt die Mainzer Sehenswürdigkeiten). Um 990 begründet, zwischen 1290 und 1338 erbaut, 1857 schwer beschädigt und schlichter wieder errichtet, beruht ihre Einmaligkeit aber auf den neun Fenstern, die Marc Chagall ab 1978 für den Ostchor und das Querhaus schuf. Die Fenster der Seitenschiffe schuf sein Mitarbeiter Charles Marq. Man darf über so viel Schönheit aber nicht vergessen, den herrlichen, spätgotischen Kreuzgang von 1461/99 zu bestaunen. Er enthält neben der enormen Vielfalt der Maßwerk-Ornamente interessante Grabplatten der ehemaligen Stiftsherren.

Mainz hält so viele Kirchen bereit, dass der Platz nicht ausreicht, sie alle zu beschreiben. Die Augustinerkirche wurde ab 1768 von bayrischen Handwerkern ausgestattet, so erklärt sich die barocke Wucht. St. Peter wiederum strahlt in reinstem Rokoko, St. Ignaz schon im Klassizismus. St. Johannis ist die wohl älteste Kirche der Stadt, eine karolingische Basilika, im 14. Jahrhundert erweitert. Seit 1828 ist sie evangelisch. St. Antonius hat gotische Deckengemälde zu bieten, die evangelische Christuskirche eine 80 Meter hohe, kupfergedeckte Kuppel.

Auch Museen gibt es zahlreiche, wie das schon erwähnte Dom- und Diözesan-Museum im Kreuzgang des Doms, in dem der Kirchenschatz ausgestellt ist, das Römisch-Germanische Zentralmuseum im Schloss, mit Funden aus Frühgeschichte und römischer Zeit, das Mittelrheinische Landesmuseum und das Gutenberg-Museum, das ganz der Buchdruckkunst und dem großen Sohn der Stadt mit seiner Erfindung der beweglichen Lettern gewidmet ist. Präsentiert werden die Gutenberg-Werkstatt, die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, Handschriften, Frühdrucke, Schriftgeschichte, Buchkunst der Gegenwart, graphische Techniken, Druckmaschinen, Bucheinbände und Papiergeschichte, sowie Live-Vorführungen. Im Museum für Antike Schifffahrt sind die legendären Schiffsfunde aus römischer Zeit und deren Nachbauten zu besichtigen. Für Sektfreunde lockt das Kupferberg-Museum mit einer großen Sammlung von Sekt- und Champag-nergläsern und dem Traubensaal von der Pariser Weltausstellung 1900 in fulminantem Jugendstil.

Wer einen Einkaufsbummel bevorzugt, sollte durch die malerische Altstadt spazieren und die pittoresken Fachwerkhäuser bewundern. Die »historische Meile« (rund um die Augustinerstraße) mit ihren verwinkelten Gässchen, mittelalterlichen Plätzen und Brunnen und der Mainzer Markt um den Dom sind sehens- und erlebenswert. Zahlreiche, große Adelshöfe des 17. und 18. Jahrhunderts runden das Bild ab, darunter der Stadioner Hof, Wohnort Sophie La Roches.

Am Ende der Großen Bleiche zum Rhein hin konzentrierte und konzentriert sich die Macht: Das Deutschhaus enthält heute den Landtag, daneben die Staatskanzlei, auf der anderen Seite das Kurfürstliche Schloss. Ein Spaziergang die Rheinpromenade flussauf führt vorbei an der Rheingoldhalle und dem Rathaus, dem »Fuchsbau«, benannt nach dem kürzlich verstorbenen, langjährigen OB Jockel Fuchs. Bei den Gittern vor den Fenstern fragt man sich unwillkürlich, ob die Politiker nicht hinaus oder das Volk nicht hinein soll. Aber zumindest letzteres kann nicht sein, denn im Inneren stehen Tagungs- und Ausstellungsräume zur Verfügung. Hier ist im Brückenturm auch die Tourist-Information untergebracht. Folgt man dem Ufer weiter, gelangt man zur Malakoff-Terrasse mit dem ehemaligen Fort.

Mainz bietet unzählige Opern-, Kabarett- und Schauspielaufführungen. Ob »Unterhaus«-Bühne, Rheingoldhalle oder Frankfurter Hof – Kultur wird in Mainz groß geschrieben. Aber Mainz ist auch Medien-Stadt mit zwei Tageszeitungen, dem ZDF und den Studios von Südwestrundfunk Radio und Fernsehen, sowie den Privatsendern RPR und SAT 1.

Und die Gastronomie ist bekannt vielseitig. Ein persönlicher Tipp: Das ehemalige Heilig-Geist-Spital in der Mailandsgasse beim Rathaus stammt von 1232, und drin kann man sich im Ambiente des 13. Jahrhunderts leiblichen Genüssen widmen.

Natürlich kommt auch das Feiern nicht zu kurz: Die "Mänzer Fassenacht" und der bunte Rosenmontagsumzug sind wohl weltbekannt. Das "Johannisfest" gilt als Erinnerung an Johannes Gutenberg und seine revolutionäre Erfindung und beim Weinmarkt im Stadtpark kann ein wichtiges Stück der Mainzer Lebensqualität getestet werden.

Als Printmedien-Metropole bringt Mainz zwei Tageszeitungen (»Die Allgemeine« und die »Rhein-Zeitung«) heraus. Auch das »Zweite Deutsche Fernsehen« (ZDF) und Studios von Südwestfunk mit Radio und Fernsehen sind hier zu Hause.



Tipp: Wenn man einmal in Mainz ist, sollte man auch einen Tag für einen Ausflug über die Rheinbrücke in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden einplanen, die ebenfalls viel Sehenswertes zu bieten hat.

 

(Textfassung aus "Der romantische Rhein" von Thomas Krämer, ©Rhein-Mosel-Verlag)

 

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